marokkoYusuf Ziya
In diesem Artikel werden wir Marokko, das westlichste der islamischen Länder, das einst von den Kolonialmächten ausgebeutet wurde, kennen lernen, und einen Ausflug in die Geschichte des Landes machen.

Das im Westen der islamischen Länder liegende Marokko wurde einst Al-Mağribul-Aksa (Ferner Westen) genannt. Im deutschen Sprachraum erhielt es seinen Namen nach der marokkanischen Stadt Marrakesch.

Die Landeshauptstadt des Königreichs Marokko, in der über eine Million Menschen leben, ist Rabat. Casablanca hingegen ist die Stadt mit der höchsten Einwohnerzahl. Die Population des Landes betrug im Jahre 2000 32 Millionen, davon die Hälfte in den Städten lebend.

In Hinblick auf die ethnische Struktur des Landes ist anzumerken, dass die Mehrheit der Bevölkerung arabischer Herkunft ist. In manchen Quellen wird jedoch auf die berberische Herkunft der marokkanischen Araber hingewiesen und vermutet, dass im Zuge der Arabisierung die berberische Kultur in Vergessenheit geriet. Berber stellen die zweite ethnische Gruppe des Landes dar. Diese ethnische Gruppe, die im Nordwesten und Westen Afrikas lebt, ist nicht im Besitz einer gemeinsamen Sprache und lebt in Stämmen mit jeweils unterschiedlichen Dialekten. Innerhalb der berberischen Dialekte besitzt nur der Tuareg-Dialekt eine Schriftsprache. Es wird angenommen, dass die Bezeichnung Berber auf die europäische Bezeichnung Barbar zurückgeht. Berber sind muslimischen Glaubens und gehören der malikitischen Rechtsschule an. Zwischen den Berber-Stämmen gibt es immer noch eine Hierarchie. Als Marokko zu einer französischen Kolonie wurde, unternahmen die Franzosen den Versuch die arabische und berberische Bevölkerungsgruppe zu entzweien und sie zu verfeinden. Die Franzosen gewährten den Berbern bestimmte Freiheiten und gaben ihnen Land, das von der restlichen Bevölkerung abgeschnitten war. Mit diesem Verhalten beabsichtigten sie eine Trennung von Berbern und Arabern und erhofften sich die Rückbesinnung der Berber auf ihre vorislamischen Traditionen. Mit der Behauptung, dass die Berber von den Arabern unterdrückt worden seien, versuchten die Franzosen Hass zwischen die beiden Bevölkerungsgruppen zu säen. Darüber hinaus wurden eigens dafür ausgebildete Männer eingesetzt, um einen berberischen Nationalismus zu etablieren. Doch im Grunde ist sich die berberische Bevölkerung ihrer islamischen Identität bewusst und unterstützt diese Bestrebungen nicht. Ausgeschlossen davon sind intellektuelle Berber mit einer französischen Ausbildung, die versuchen diese Bewegung am Leben zu erhalten. Die drittgrößte ethnische Bevölkerungsgruppe des Landes stellen die Mauren dar. Sie sind mauretanischer Herkunft und machen zehn Prozent der Bevölkerung aus. Des Weiteren gibt es eine christliche und eine jüdische Minderheit im Land.

Die offizielle Landessprache Arabisch wird zwar von der Mehrheit der Bevölkerung gesprochen, doch gibt es auch eine Bevölkerungsschicht, die Berberisch spricht. Marokko wird von einem König regiert, der Amîrul-Mu’minîn genannt wird und dessen Machtbefugnisse sehr umfangreich sind. Dazu gehören die Ernennung der Regierung, das Veto-Recht und die Entscheidung zur Volksbefragung. Ein Gesetzesentwurf, wogegen ein Veto eingelegt wurde, steht nicht mehr zur Diskussion. Nach dem Tode Hassan II. in jüngster Vergangenheit gab es einen Machtwechsel in Marokko. Muhammad VI. nahm den Platz seines verstorbenen Vaters ein.

Bei einem Ausflug in die Geschichte des Landes, finden wir in islamischen Quellen die ältere Bezeichnung „Al-Mağribul-Aksa“ (Ferner Westen). Es ist offensichtlich, dass der Nordwesten Afrikas Maghreb genannt wurde und Marokko deswegen diesen Namen erhielt, weil es sich im Westen dieser Region befindet. Nach den Eroberungen Hasan ibni Nûmâns im Jahre 688 und Mûsâ ibni Nusajrs im Jahre 712 gehörte die Region dem Kalifat an und wurde mit dem Islam bereichert. Tarik bin Zijâd, ein Kommandant Mûsâ ibni Nusajrs, überquerte die Straße von Gibraltar, betrat spanisches Gebiet und legte die Grundsteine für den späteren islamischen Staat Andalusien. Der Maghreb blieb nach der Eroberung bis 770 dem Kalifat untergeordnet, nach 770 bildeten sich muslimische Kleinstaaten. Der größte islamische Staat, der im Maghreb gegründet wurde, war der Staat der Almoraviden (al-Murâbitûn), der 1056 gegründet wurde. Mit der Zeit nahmen die Almoraviden große Teile Nordafrikas und Andalusiens ein und regierten über eine Fläche von 6 Millionen km2, was dazu führte, dass zerstreute Kleinstaaten wieder zu einem Großstaat vereint wurden. Das Zentrum der Almoraviden war die Stadt Marrakesch, die heute innerhalb der Grenzen Marokkos liegt. Bei der Verbreitung des Islams im Nordwesten und Norden Afrikas spielten die Almoraviden eine große Rolle. Das Reich der Almoraviden existierte lange bis es 1147 von den Almohaden (al-Muwahhidûn) eingenommen wurde. 1269 löste sich das Reich der Almohaden auf und es bildeten sich erneut Kleinstaaten in der Region. Während der Regierungszeit einer dieser Kleinstaaten, den Wattasiden (1470 bis 1550), begannen die Portugiesen und Franzosen mit der Einnahme der Küstenregionen am atlantischen Ozean. Die Sâdî, die zwischen 1509 und 1660 regierten, konnten diese Gebiete zurückerobern. Es folgten Machtkämpfe zwischen den Sâdî und den Adligen der Alawiden, die zugunsten der letzteren ausfielen, so dass sie die ganze Fläche Marokkos einnahmen. Die königliche Familie, die heute über Marokko regiert, gehört zur Familie der Alawiden.

Frankreich, das eine Kolonialmacht in der Region zu werden versuchte, besetzte Marokko im Jahre 1912. Auch Spanien begann im November 1912 die nördlichen Küstenregionen einzunehmen. Anschließend wurde der damalige König abgesetzt und Mulai Jûsuf von den Alawiden zum König ernannt. Doch dies geschah nur um den Schein zu wahren. Wurde das Land doch von einem Regierungspräsidenten regiert, der von den Franzosen ernannt wurde. Wie oben erwähnt, versuchten die Franzosen die Einheit zwischen den Berber-Stämmen und den Arabern zu zerstören, indem sie versuchten die Berber durch Propaganda an ihre vorislamischen Traditionen zu erinnern und sie somit vom Islam zu entfernen. Doch nach 1940 begann die Unabhängigkeitsbewegung in Marokko voranzuschreiten. Die 1944 gegründete Unabhängigkeitspartei verfolgte das Ziel, die Unabhängigkeit des Landes zu erreichen und verlangte von den Kolonialmächten das Land zu verlassen. Doch erst am 2. März 1956 sahen sich die Kolonialmächte aufgrund des wachsenden Widerstandes dazu gezwungen Marokko zu verlassen. Spanien sah sich ebenso gezwungen am 29 Oktober 1956 aus den nördlichen Gebieten zurückzuziehen. Währenddessen führt Spanien bis heute die gewaltsame Besetzung der marokkanischen Städte Ceuta und Melilla an der nördlichen Mittelmeerküste fort. Die Beliebtheit der beiden Küstenstädte als Tourismusort und deren Beitrag zur Landesökonomie sind die Gründe für die noch währende Besetzung. Den muslimischen Einwohnern dieser Städte wird die Staatsbürgerschaft verweigert. Nach dieser kurzen Exkursion in die heutige Lage des Landes sei noch zu erwähnen, dass der von Frankreich ernannte König Sultan Muhammad IV. nach dem Abzug Frankreichs das Land weiterhin regierte. Nach seinem Tode am 26.02.1961 nahm Hasan II. den Platz seines Vaters ein. Mit dem Tode Hasans am 22. Juli 1999, kam sein Sohn Sidi Muhammad an die Herrschaft. Sidi ist die im afrikanischen Arabisch übliche Form für Sajjid. Die Tatsache, dass dieser seine Universitätsausbildung in Frankreich abschloss und als Thronfolger enge Kontakte zu Frankreich unterhielt, veranlasst viele dazu in ihm nur eine Marionette Frankreichs zu sehen. Wir hoffen für die islamische Welt, dass dies nur ein Trugschluss ist.

Das internationale Problem, dass aus dem Anspruch Marokkos auf das im Westen der Sahara gelegene Gebiet, das unter portugiesischer Kolonialherrschaft stand, dauert jedoch noch an.
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