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feinheiten islamischen glaubens

 

Ömer Nasuhi Bilmen

Feinheiten Islamischen Glaubens Islamischer Katechismus

Herausgeber: Ahmet Turunç
Übersetzung: Ahmed Erdem

 

Vorwort

 

Wir als Muslime verspüren eine starke moralische Verpflichtung, unsere Religion einschließlich ihrer Gebote und Verbote im größtmöglichen Maße zu erlernen. Diese Verpflichtung resultiert aus dem menschlichen Bestreben, ein inniges Verhältnis zum eigenen Schöpfer aufzubauen und ein gottgefälliges Leben zu führen. Je mehr also die modernen Umstände, unter denen wir heutzutage zu leben gezwungen sind, einen Großteil unserer geistigen Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nehmen, desto mehr wächst in uns das Bedürfnis nach Unterweisung in den praktischen Erfordernissen des rechten Glaubens.

 

Mit der Absicht, dieser Herausforderung gerecht zu werden, versucht das vorliegende Buch, religionsgesetzliche Anweisungen und geschwisterliche Ratschläge zu vermitteln, die die Rechtleitung und somit Entlastung derjenigen Muslime zum Ziel haben, die sich am Beispiel des Propheten Muhammad und sei­ner rechtmäßigen Nachfolger orientieren wollen und den Urteilen der imame und islamischen Gelehrten großen Wert zusprechen. Daneben verschafft es einen Überblick über die Natur der wichtigsten Glaubensinhalte und geht in aller Kürze auf die Geschichten bedeutender Propheten ein.

Die Übersetzung ist in einfacher und verständlicher Sprache gehalten. Für die Umschrift arabischer Begriffe ist teilweise die internationale Lautschrift verwendet worden – was sich nicht vermeiden ließ -, für gängige orientalische Namen jedoch zumeist eine vereinfachte Umschrift. Für die korrekte Aussprache und Lesart einiger Koranverse. Bittgebete und religiöser Formeln wird dringend angeraten, einen der arabischen Sprache Kundigen zu Rate zu zie­hen.

Wir hoffen, den deutschsprachigen Muslimen mit dieser bescheidenen Arbeit einen kleinen Dienst erwiesen zu haben, erbitten uns von Gott, über unsere Fehler und Sünden hinwegzusehen, und wünschen uns für die ehrenwerte Leserschaft aufrichtig, dass sie aus dem Inhalt des Buches einen angemesse­nen Nutzen ziehen kann.

Der Herausgeber

Wozu dient dieses Werk?

 

Was ist islamisch richtig und vertretbar? In den ersten Jahren des Islam war die Antwort darauf ganz einfach. Man brauchte schlicht und einfach Gottes Gesandten, unseren Ehrenwerten Propheten Muhammad Mustafa zu fragen und konnte eine verbindliche Antwort daraufbekommen.

In den folgenden Jahren übernahmen die rechtgeleiteten Kalifen dieselbe Funktion. Nach dem Ablauf dieser Periode, die man gerne als „islamische Goldzeit", bezeichnet, traten Gelehrten in Erscheinung, die sich mit Koran und Überlieferung gut auskannten. In einem Hadith heißt es:

"Die Gelehrten sind Erben der Propheten"

Nach der Kodifizierung der Hadithen Gottes Gesandten, also schriftlichen Festsetzung der Überlieferung, brauchte man Intellektuelle, die diese Überlie­ferung und Aussagen in Koran interpretieren konnten, denn manche überlie­ferten Worte sind nur in einem bestimmten Kontext und gemeinsam mit dem Wortlaut des Korans zu verstehen.

Es steht einfach nicht jedem Muslim zu. schlicht und einfach aus einem Ko­ranvers oder von einem überlieferten Hadith verbindliche Rückschlüsse zu ziehen, die naturgemäß oft falsch sein können.

Diese Funktion übernahmen die Rechtsgelehrten, genauer gesagt die Imame der Rechtsschulen, die wir in diesem Buch näher erörtert haben. Koran und bestätigte Überlieferungen sind für alle Rechtsschulen verbindlich. Alle Aussa­gen der Rechtsgelehrten, die im krassen Unterschied zum Koran oder einer bestätigten Überlieferung stehen, sind als „Fehlschluss" zu interpretieren und zu verwerfen.

Bei den Angelegenheiten, auf die man im Gnadenreichen Koran oder in einer Überlieferung keine Antwort findet, sind durch diverse Rechtsgelehrten be­antwortet worden. Dabei schlugen sie aber natürlich verschiedene Wege. Wäh­rend Abu Hanifa neigte, den Analogieschluss vorzuziehen, schätzte Imam Ma-lik die Tradition der Medinenser am meisten.

Aus diesen Antworten auf Fragen, die durch Muslime gestellt wurden, sind islamische Rechtschulcn entstanden.

In den folgenden Jahren wurden diese Meinungsäußerungen der führenden Rechtsgelehrten aufgesammelt und handwerklich vervielfältigt. Es sind zahl­reiche Sammelwerke entstanden, die wir im Quellenverzeichnis angegeben haben.

„Mufti", ein Wort, das sich auch im deutschen Sprachraum eingebürgert hat, ist an und für sich ein Mensch, der sich mit Koran, der Überlieferung und den Büchern auskennt, die die Meinungsäußerungen der Rechtsgelehrten enthal­ten. Mit der Zeit wurden verschiedene Kataloge ausgestellt, die diese „Fatwas". also islamische Rechtsmeinungen nach gemeinsamen Kriterien versammelten.

Die Französische Revolution brachte den Gedanken der Kodifizierung der Ge­setze, wodurch sich alle Bürger in der Lage sein sollten, die Gesetze verstehen zu können, die sie betrafen.

Diesen Gedanken übertrug Omer Nasuhi Bilmen auf die islamischen Gesetze und hat verschiedene Fatwa-Bücher auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

Er war in seinem Bestreben sehr erfolgreich. So ist sein Buch das meist ver­kaufte islamische Buch in der Türkei nach dem Koran. Die Sprache des Haupttextes ist inzwischen sehr veraltet und für einen Durchschnittstürken nicht mehr verständlich. Fikri Yavuz, ein Schüler von Bilmen und Mehmet Talu sind Verfasser, die den Text dieses Buches vereinfacht bzw. auf um­gangssprachliches Türkisch übersetzt haben. Wir sind aber von dem Grund­text ausgegangen.

Wir haben uns erlaubt, manche Textpassagen, die für unseren Alltag nicht mehr aktuell sind, zu verkürzen bzw. überhaupt zu streichen. So fehlt z.B. das Kapitel in unserem Buch, das im Haupttext die Brunnen behandelt.

Es war ein kühnes Unternehmen, ein Grundwerk der islamischen Jurispru­denz auf Deutsch zu übersetzen, denn der deutschen Sprache fehlen manche Grundbegriffe, die im Türkischen und Arabischen geläufig sind. Wir haben versucht, manche Begriffe einzudeutschen. Und wo es einfach nicht möglich war, haben wir von dem arabischen Wort Gebrauch gemacht.

Bei einer derart wichtigen Übersetzung sind manche Fehler vorprogrammiert und trotz jeglichen Bemühungen einfach nicht zu vermeiden. Deshalb bitten wir unsere Leser um Nachsicht. Für jede konstruktive Kritik sind wir dankbar, die wir in den folgenden Ausgaben des Werkes berücksichtigen werden.

Uns steht es einzig und allein zu, uns zu bemühen. Erfolg kommt allein von Allah.

Über den Autor

 

omer nasuhi bilmenÖmer Nasuhi Bilmen wurde 1883 in einem Dorf in der türkischen Provinz Erzurum geboren. Nach erfolgreichem Studium der islamischen Theologie und zahlreichen Tätigkeiten wurde er 1943 in Istanbul zum Mufti ernannt.

Am 30. Juni 1960 übernahm er das würdevolle Amt des Vorsitzenden für Reli­giöse Angelegenheiten der Republik Türkei, das allerhöchste Amt in der Türkei und trat kurz darauf in den Ruhestand. Er beherrschte neben der türkischen auch die arabische und persische Sprache in Perfektion und erlernte die fran­zösische bis zu einem beachtlichen Grad.

Während seiner langjährigen Lehrtätigkeit an verschiedenen Schulen und In­stituten widmete er sich außerdem dem Verfassen zahlreicher Werke, die auf der ganzen Welt Verbreitung und Anerkennung fanden, wie z. B. die türkische Übersetzung des Korans, die Auslegung des Korans, die große Geschichte der Koranauslegung und das vorliegende Buch.

Omer Nasuhi Bilmen verstarb nach einem frommen Leben am 12. Oktober 1971 in Istanbul.